Elektroauto abschleppen – Pannenhilfe beim Elektroauto

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Das eigene Fahrzeug abschleppen lassen zu müssen ist sicherlich eine Erfahrung, die kein Autofahrer unbedingt machen möchte. Dennoch kann es dank einer Panne oder durch Falschparken dazu führen. Viele Autofahrer verfügen über einen passenden Kfz-Schutzbrief, in dem die Bergung und das Abschleppen des Fahrzeugs inbegriffen sind. Allerdings nur im Schadensfall. Anders sieht es hier beim Falschparken aus, die Kosten dafür befinden sich im dreistelligen Betrag. 

Die Pannenhilfe an Elektro und Hybridfahrzeugen ist generell kein Problem und möglich. Dennoch gilt es ein paar Punkte zu beachten, auch beim Abschleppen des defekten Fahrzeugs. Grundsätzlich sind weder Fahrer noch Pannenhelfer einer elektrischen Gefährdung durch die Hochvoltsysteme ausgesetzt.

Systembedingt sind diese durch entsprechende Schutzmaßnahmen so abgesichert, dass die Pannenhilfe möglich ist. Wichtig ist zu wissen: Dies gilt nur solange, wie kein Eingriff am Hochvoltsystem erfolgen muss. Anders sieht es hier aus, wenn das System durch einen Unfall beschädigt wurde oder aus Schnee/Wasser geborgen werden müssen.

Vorsicht bei Pannenhilfe beim Elektroauto

Wer schon einmal ein Elektroauto gefahren ist, der dürfte die orangefarbenen Kabel bzw. Kabelführungen besonders im Motorraum gesehen haben. Diese sind ein Zeichen für ein Hochvoltsystem. Ebenso gibt es im oder am Fahrzeug entsprechende Schriftzüge und Warnhinweise. An den elektrischen Bauteilen sind diese sowieso angebracht. Hinter dem Begriff versteht sich ein System, welches mit Spannungen ab 25 V (Wechselstrom, sprich AC) oder 60 bis 800 V (Gleichstrom, sprich DC) arbeitet.

Als gelernter Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik kann ich immer wieder nur darauf hinweisen, dass niemals in Eigenregie an unter Spannung stehenden Komponenten gearbeitet werden darf bzw. geöffnet oder angefasst werden sollten. Also Hände bitte nicht an Kabel, Leitungen und Komponenten anlegen. Hierfür gibt es übrigens eine klare Vorgabe der Berufsgenossenschaft. Wer an Hochvoltsystemen arbeiten muss, der muss eine entsprechende Unterweisung erhalten haben. Die Anforderungen und Bedingungen befinden sich in „Qualifizierung für Arbeiten an Fahrzeugen mit Hochvoltsystemen“ (BGI 8686).

Elektroauto abschleppen – keine große Herausforderung

An sich kann man das Elektroauto abschleppen wie jedes andere Fahrzeug auch. Solange nicht an der Elektronik bzw. Hochvoltsystem gearbeitet werden muss. Keine Beschädigung am Fahrzeug wäre in diesem Fall ideal. Im Artikel „Vorteile beim ADAC für Elektroauto-Besitzer“ habe ich bereits geschrieben, dass die Straßenwachtfahrer beim ADAC in die Technik der Elektroautos eingewiesen sind. Bei einem leeren Akku können diese auch nur das Fahrzeug abschleppen. Einen mobilen Schnelllader gibt es nicht und somit auch keine Aufladung für eine kurze Strecke bis zur nächsten Ladesäule.

Elektroauto abschleppen - Vorrichtungen sind wie beim Verbrenner genügend vorhanden
Elektroauto abschleppen – Vorrichtungen sind wie beim Verbrenner genügend vorhanden

Grundsätzlich sind immer die Angaben des Herstellers zu beachten und eine Verletzung der elektrischen Komponenten ist im jeden Fall zu vermeiden. Auch darf die angetriebene Achse keinen Straßenkontakt während des Abschleppvorgangs haben, da der Elektromotor als Generator arbeitet und somit elektrischen Strom produziert. Für den Menschen besteht dann zwar keine Gefahr, könnte aber einen Schaden an der Fahrzeugelektronik verursachen. Also die Antriebsachse in der Luft halten. Sollte ein Fahrzeug also über Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse ausgestattet sein, bleibt wohl nur noch das vollständige Aufladen.

Elektroauto klassisch mit Seil oder Stange abschleppen

Statt einen Abschleppdienst rufen zu müssen, erledigen dies viele lieber selbst mit einer Stange oder einem Seil. Dafür müssen sie aber jemanden kennen der dies kann und gerade auch die nötige Zeit mitbringen. Geht allerdings auch nur dann, wenn man nicht beim Falschparken erschwischt wurde. Kann ein Elektro- oder Hybridauto auf diese Art abgeschleppt werden?

Darüber scheiden sich die Geister und die einen Hersteller geben klar an, dass dies nicht funktioniert, wenn sich das Fahrzeug in der neutralen Stellung „N“ befindet. Andere Hersteller hingegen geben die Möglichkeit durchaus an, wie es beim smart electric drive der Fall sein soll. Darin stehe, dass es in der Stellung „N“ möglich wäre. Allerdings dürfte die Geschwindigkeit von 50 km/h nicht überschritten werden und die Distanz nicht weiter als 50 km sein.

Eine andere Möglichkeit scheint die Stellung „D“ zum Beispiel beim Nissan LEAF zu sein, wie das nachfolgende Video zeigt. Hier wird das Fahrzeug auf diese Stellung gebracht und über das Abschleppen die Batterie geladen:

Trotz dem Video steht in der Bedienungsanleitung vom LEAF deutlich, dass dieses Elektroauto nur mit angehobenen Vorderrädern oder allen vier Rädern abgeschleppt werden darf. Von der Möglichkeit dies über ein Seil oder eine Stange zu lösen wird abgeraten. Beim Citroën C-Zero steht in der Anleitung, dass der Gangwahlhebel in Position „N“ zu bringen ist. Es darf eine maximale Strecke von 30 km mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h zurückgelegt werden. Umgekehrt mit diesem Elektroauto ein anderes Fahrzeug abschleppen? Hier sagt die Bedienungsanleitung ein deutliches „Nein“ und dies sollte eingehalten werden.

In Russland hat ebenfalls jemand sein Elektroauto über die Vorrichtung abschleppen lassen. Das Tesla Model S konnte dabei in drei 3 Minuten immerhin 10 km zurückgewinnen, wie bei mein-elektroauto.com nachgelesen werden kann.

Eine generell Aussage lässt sich dazu nicht treffen und ein Risiko sollte nicht eingegangen werden. Schnell kann die Garantie verloren gehen oder Beschädigungen an der Fahrzeugelektronik die Folge sein. Dann lieber den konventionellen Abschleppdienst bestellen und auf Sicherheit setzen, statt einen weiteren unnötigen Schaden in Kauf zu nehmen.

Fotos: Nissan

Vorteile beim ADAC für Elektroauto-Besitzer?

Über DanielB 1352 Artikel
Fasziniert von der Elektromobilität und alternativen Antriebstechnologien, gelernter Elektroniker, Journalist und Blogger, liebt die Technologie im Fahrzeug (Vernetzung, Infotainment). Mehr über mich danielboe.de

2 Kommentare

  1. Wenn eAutos bremsen, dann rekuperieren Sie. So wird Energie zurückgewonnen. Warum also muss die Antriebsachse angehoben werden? Bestenfalls mit N sollte doch immer gehen. Zumal der Oeldruck für Bremse motorunabhängig aufgebaut wird und die Servolenkung über das 12V-System aufrechterhalten bleibt.

  2. Sie erwähnen, dass die Kosten für das Abschleppen bei Falschparken selbst getragen werden müssen und diese im dreistelligen Bereich liegen. Mir ist das auch passiert. Bei uns in Berlin-Tempelhof konnte ich nachts nicht sehen, dass vor einem Tor das Schild „Arzt, bitte freihalten“ stand. Der Ablschleppdienst hatte meinen Wagen in der Nähe platziert und eine Nachricht hinterlassen. Es war mir eine Lehre, besser zu schauen.

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