Würde ich mir als nächstes ein Elektroauto kaufen? #4

artikelserie-elekromobilitaet

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Eine Frage mit der ich mich schon länger beschäftige und immer wieder hochkommt. Würde ich mir als nächstes ein Elektroauto kaufen? Wenn ja, wie kam es zu der Entscheidung und welche Punkte wurden beachtet?

Im vergangenen Jahr habe ich mit einer Artikelserie zum Thema Elektromobilität angefangen. Und als jemand der über das Thema schreibt, sollte eine gewisse Erfahrung mitbringen und eventuell auch selber vielleicht die eigene Anschaffung einmal überdacht haben. Im zweiten Teil beantwortete ich die Frage, wie bin ich zur Elektromobilität und alternative Antriebe gekommen und wieso ich mich darauf fokussierte. Schließlich enthielt dieser Blog in der Anfangsphase mehr Beiträge über Erneuerbare Energie und dem Elektrohandwerk.

Im dritten Teil kam ich der Beantwortung der hier gestellten Frage schon deutlich näher und habe dazu im letzten Absatz im Beitrag „Warum fahre ich bisher noch kein Elektroauto?“ eine Teilantwort gegeben.

Erfahrung aus der Praxis – tägliche Strecken

Ein ganz wesentlicher Punkt sind die täglich zu fahrenden Strecken. Grundsätzlich kann eben keine Aussage darüber getroffen werden, ob sich Elektroautos lohnen oder eben nicht. Die Frage muss am Ende jeder für sich beantworten. Der erste Blick geht hier auf die tägliche Strecke. Vorher wohnte ich in Schwalmstadt und mein Arbeitsplatz liegt in Marburg. Die Distanz für Hin- und Rückweg liegt bei 90 km. Hierbei habe ich Überlandfahrten mit 100 km/h-Zonen und viele Fahrten innerorts.

Zum Glück stand mir der Nissan LEAF zur Verfügung, mit dem ich vor meinen Umzug nach Marburg testen konnte. Über Nacht lud ich den Akku vollständig auf. Fuhr am Morgen zur Arbeit und am Abend wieder zurück. Die Restreichweite lag am Ende noch bei 45 bis 50 km, wenn es gut lief. Wollte ich dann am Abend noch ins Training zum Handball oder Fußball fahren, hatte ich hier nochmal Distanzen von 25 bzw. 10 km für eine Strecke. Meine Erfahrung zeigte mir, dass ich diese Wege ohne Probleme fahren konnte.

Erfahrung aus der Praxis – tägliche Strecken
Erfahrung aus der Praxis – tägliche Strecken

Manchmal musste man allerdings die Geschwindigkeit bei Überlandfahrten auf 80 km/h drosseln, um nicht doch noch die „Reichweitenangst“ hervorzurufen. Auf diesen kurzen Distanzen ist die Zeitersparnis durch Ausreizung der maximal zulässigen Geschwindigkeiten nur minimal.

Sicher, es wird Situationen geben in denen ich weitere Strecken zu fahren habe. Bisher halten diese sich aber absolut in Grenzen und mir stehen mit der Bahn und den Fernbussen bisher genügend Optionen zur Verfügung. Ist es wirklich einmal so, dass ich einen Ort so einfach nicht erreichen kann, muss ich eventuell über einen Mietwagen zu diesem Zeitpunkt nachdenken.

Lademöglichkeiten vorhanden? Kosten überschaubar?

Die täglichen Strecken wären damit für mich gelöst und durchaus möglich. Nach dem Umzug nach Marburg stellt sich die Frage erst gar nicht mehr, da die Distanz zur Arbeit nur rund 6 km beträgt und zur Not auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen wäre. Jetzt gehe ich ein Stück weiter und stellte die Überlegung an, wie ich dieses Fahrzeug denn laden könnte und welche Kosten kommen dabei auf mich zu?

In Schwalmstadt hatte ich das Glück, dass wir dort über eine Außensteckdose direkt am Stellplatz verfügen. Fahrzeug abgestellt, Ladebox vom LEAF angeschlossen und laden lassen. Sicher, eine Wallbox wäre sicherlich vorteilhafter, aber nicht zwingend erforderlich. Hier wird gerne von der Sicherheit gesprochen und den hohen Strömen die fließen würden. Die Ladebox vom LEAF war mit 10 Ampere abgesichert, während die Steckdose mit 16 Ampere abgesichert ist. Gleichzeitig ist die Box so empfindlich, dass kleinste Abweichungen bei der Erdung der Steckdose genügen, damit der Ladevorgang erst gar nicht gestartet wird. Als gelernter Elektroniker bin ich zudem in der Lage, die Situation gut abschätzen zu können.

Lademöglichkeiten vorhanden? Kosten überschaubar?
Lademöglichkeiten vorhanden? Kosten überschaubar?

Alternativ gibt es in der Stadt eine kostenlose Ladestation, die so gut wie gar nicht benutzt wird. Übergangsweise also auch eine Möglichkeit zu laden, gleicher Fall auch in Marburg, wo es Ladesäulen gibt, bei denen ich momentan noch kostenlos laden kann.

Etwas anders sieht es hier mit den Abrechnungsmethoden aus. In Schwalmstadt hätte ein gesonderter Zähler mit einem anderen Tarif sicher dafür gesorgt, dass der monatliche Abschlag geringer ausgefallen wäre. Dennoch zahle ich hier sonst die üblichen Strompreise und fahre, vergleichsweise zu meinem SEAT Ibiza, für die Hälfte auf 100 km rein an Kosten für Strom zu Benzin.

Demnach sind Lademöglichkeiten vorhanden und die Kosten überschaubar. Sicher muss ich hier Kompromisse eingehen, aber darüber bin ich mir bewusst und bereit diese auch einzugehen. Gerade weil noch viel mehr passieren wird und da genügt es eben nicht, nur die eRoaming-Plattformen miteinander zu verbinden. Auch wenn man dies sicherlich als einen ersten Anfang sehen kann.

Raus aus der Komfortzone – Kompromisse eingehen

An einen zentralen Punkt in der Elektromobilität müssen wir uns definitiv schnell gewöhnen. Wir müssen raus aus unserer Komfortzone, zumindest aktuell und „noch“ Kompromisse eingehen. Gerade diejenigen, die von der Elektromobilität angetan sind, sich aber bisher aufgrund gewisser Einschränkungen davon distanzieren, selbst wenn sie mit sehr geringen Aufwand dennoch elektrisch mobil sein könnten.

Hier spielen für mich natürlich die Reichweite und auch Lademöglichkeiten eine Rolle, die ich gerne bereit bin einzugehen. Zumindest sehe ich das aus meiner aktuellen Sicht so. Wenn ich längere Strecken vor mir habe, kann ich eben auch mal einen Fernreisebus nutzen oder die Bahn. Vielleicht gibt es sogar Mitfahrgelegenheiten? Eventuell lässt sich die Strecke auch mit einem kleinen Zwischenstopp und Schnellladung überbrücken. Die Zeit könnte man für eine kleine Pause nutzen.

Natürlich vergesse ich bei dieser ganzen Thematik nicht, dass sich dahingehend etwas ändern muss und der Eingang von Kompromissen geringer werden muss. Genau dies wird er auch und vielleicht winke ich hier in Richtung Hersteller, die viel mehr Mobilität verkaufen müssen. Denkt ruhig einen Moment über den Begriff nach und was ich damit meine. Die Antwort auf eine damit eventuell geöffnete Frage überlasse ich gänzlich euch allein.

Fahrverhalten ändert sich

Etwas an der Elektromobilität fasziniert mich bzw. diese Antriebstechnologie, die sich wohl bemerkt auch schon bei einem Hybridfahrzeug bemerkbar macht. Die Art und Weise der Fortbewegung ist schon fast traumhaft. Anders kann ich sie nicht beschreiben und viel besser, du änderst dein Fahrverhalten und dies sogar teilweise vollkommen unbewusst. Eine Sache die ich da immer wieder höre, sind die fehlenden Motorengeräusche. Ehrlich gesagt dachte ich dies auch, aber du vermisst ihn nicht. Viel eher empfindest du die anderen Fahrzeuge als Störfaktor.

Wenn du vorher schon vorausschauend gefahren bist, dann wirst du es dadurch noch viel eher. Richtig gut darin bist du, wenn du auf deiner gewohnten Strecke an die Ampel fahren kannst, ohne dabei die Bremse wirklich nutzen zu müssen. Starke Beschleunigung ist keine Option mehr und der Sprint von der Ampel gehört der Vergangenheit an.  Lediglich bei einem Überholvorgang ist dies durchaus nützlich. Dann ist es so, dass auch das Erreichen der erlaubten Höchstgeschwindigkeit nicht länger favorisiert wird. Warum auch? Deine Zeitersparnis auf Strecken von rund 50 km ist wirklich nicht erwähnenswert. Der Stressfaktor steigt unnötig und über die Gefahren durch die rasante Fahrweise wollen wir gar nicht erst reden. Kurzum fährst du effizienter, vorausschauender und stressfreier.

[bctt tweet=“„Elektroauto fahren ist wie mit einem Segelflugzeug in der Luft zu fliegen“, Daniel Bönnighausen“]

Fahrgeräusche sind das Lauteste was du vom Fahrzeug vernehmen kannst und selbst das Radio möchtest du manchmal gar nicht erst einschalten. Du kannst dich im Fahrzeug unterhalten und dies, ohne brüllen zu müssen. Es gibt da sicher noch weitere Punkte, die mir gerade aber leider nicht einfallen.

Preise für Fahrzeuge

Zuletzt möchte ich – nach diesem scheinbar doch sehr langen Beitrag – nur noch auf einen Punkt eingehen, der nicht gerade vernachlässigt werden sollte. Die Gedanken drehen sich um den Preis und genau hier scheinen viele immer noch beim BMW i3 oder VW e-Golf hängen geblieben zu sein. Es gibt aber wesentlich preiswertere Fahrzeuge auf dem Markt. Dabei gibt es den Renault Zoe in der höchsten Ausstattungslinie für 23.500 Euro. Die monatliche Batteriemiete ist dabei abhängig von der Laufzeit und der Kilometer. Hier muss man natürlich selbst schauen, was für einen am sinnvollsten wäre.

Ich möchte aber die Auswahl des Fahrzeugs gar nicht zu sehr in diesen Beitrag einfließen lassen und die Auswahl lieber auf den letzten Teil verschieben. Denn dort gehe ich auf die Kosten ein und für welches Modell ich mich dabei entscheiden würde.

Alle Beiträge zur Artikelserie:

Über DanielB 1350 Artikel
Fasziniert von der Elektromobilität und alternativen Antriebstechnologien, gelernter Elektroniker, Journalist und Blogger, liebt die Technologie im Fahrzeug (Vernetzung, Infotainment). Mehr über mich danielboe.de

1 Kommentar

  1. Moin,

    eigentlich bin ich Oldtimer-Fan und somit auch ein bekennender Freund der Verbrennungsmotoren. Weil ich aber üblicherweise extreme Kurzstrecken fahre, haben mir die Verbrenner immer leid getan. Ein bis zweimal im Jahr muss ich dann aber doch Strecken um 200 km zurücklegen. Als der Opel Ampera in immer bezahlbarere Preisregionen abrutschte war mir klar: So ein Ding muss ich haben!

    Zuerst einmal: In den ersten Wochen macht dieser Wagen regelrecht süchtig! 370 Newtonmeter aus dem Stand heraus sind einfach nur geil. Bevor der Verbrenner die Kupplung ganz kommen lässt, ist der Ampera schon locker über die Kreuzung drüber. Aber zu einem Klavier- oder Harfenkonzert fährt man tatsächlich degressiver als zu Death Metal! ;-)

    Man kann mit dem Ampera ruhig vor sich hin segeln, oder auch 8 kWh in weniger als 40 km verbraten. Völlig egal. Wenn der Strom aufgebraucht ist, springt der Verbrenner an und macht neuen Strom. Aber 40 – 70 km fahre ich rein elektrisch. Um die letzten 10 km auch noch aus der Batterie zu quetschen, muss ich wohl einen meditationskurs machen! ;-)

    Viele Grüße,
    Thorsten

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