Fahrschule Rünz setzt auf Renault Zoe – ein Interview

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Ein besonderes und nicht gerade einfaches Einsatzgebiet für Elektrofahrzeuge sind Fahrschulen. Gerade diese sind auf große Reichweiten angewiesen. Denken wir hierbei nur einmal an den tagtäglichen Einsatz, Überland- und Autobahnfahrten. Der Fahrschüler zahlt hier die „Fahrstunden“, weshalb die klassischen Ladepausen viel Zeit verschlingen würden. Schon heute ist der Führerschein nicht besonders günstig. 

Einzig und allein die Reichweiten sind nicht das Problem. Gesetze und Prüfungsverordnungen hindern an einem reinen Einsatz von Elektroautos. Dennoch gibt es sie, Fahrschulen die zusätzlich Elektrofahrzeuge in ihrem Fuhrpark einsetzen und somit Fahrschüler schon früh an die Thematik heranführen. Eine davon ist die Fahrschule Rünz, die über eine Renault Zoe verfügt. Thomas Kopetzky stand mir für ein kleines Interview zur Verfügung. Berichtet von seinen Erfahrungen mit den Fahrschülern, weshalb Fahrschulen noch nicht ausschließlich auf Elektrofahrzeuge setzen können und was er sich wünschen würde.

Daniel: Vielen Dank zunächst einmal, dass Sie sich die Zeit für ein Interview genommen haben. Herr Kopetzky, vielleicht stellen Sie sich und Ihre Fahrschule zunächst einmal kurz vor.

Thomas Kopetzky: Hallo Daniel, erst einmal möchte ich mich bedanken, dass Sie mit mir dieses Interview führen möchten. Mein Name ist Thomas Kopetzky und ich bin der Geschäftsführer der Fahrschule Rünz GmbH. Die Fahrschule besteht seit 1998 und befindet sich in St.Sebastian ( Nähe Koblenz ). Weiterhin befindet sich eine Filiale in Rüscheid ( Kreis Neuwied ) Der Ausbildungsschwerpunkt unserer Fahrschule sind die Klassen B , BE , AM , A1 , A2 und A.

Daniel: Sie haben eine Renault Zoe im Einsatz als Fahrschulauto. Wie kamen Sie zu dieser Entscheidung?

Thomas Kopetzky: Es fing damit an, dass der Renault Twizy auf den Markt kam und ich eine Probefahrt gemacht habe. Und da hat mich das Fieber gepackt. :)

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Daniel: Wie reagieren die Fahrschüler auf die ersten Fahrerlebnisse mit der Renault Zoe? Gerade junge Menschen mögen doch eigentlich das Geräusch der Motoren, oder hat sich dies in den letzten Jahren geändert?

fahrschule-ruenz-renault-zoe-02Thomas Kopetzky: Am Anfang, wenn ich den Fahrschülern im theoretischen Unterricht erzähle, dass jeder mal mit unserer ZOE R 240 fahren wird, sind meistens die Herren der Schöpfung skeptisch. Da kommen dann am Anfang die Aussagen wie „Automatik??? Nein will ich nicht!“ oder „Motor muss man hören.“. Wenn ich dann aber erzähle, welche Vorteile und was dies doch für eine tolle Sache ist, elektrisch zu fahren, werden die Stimmen ganz schnell ganz leise und dann entsteht Interesse an Elektromobilität. Sobald die Fahrschüler fahren hören wir nur noch: „WIE GEIL IST DAS DENN… Beschleunigung… genial… Automatik …genial“ und schon sind alle überzeugt.

Daniel: Wieso ist es ein Renault Zoe geworden? Könnten Sie sich vorstellen weitere Modelle einzusetzen? Speziell auch Plug-in-Hybride?

Thomas Kopetzky: Die Zoe ist es geworden weil sie mir gefällt. Weitere Modelle sind ja schon im Kopf, wie der Ampere e, Nissan Leaf und die neue Zoe. Plug-in-Hybride wollte ich erst mal nicht, weil ich einfach nur rein elektrisch fahren wollte. Im Moment schaue ich aber auch mal bei den Hybriden. Denke aber es wird wohl immer rein elektrisch bleiben. Aber mit der Anschaffung muss man noch warten egal ob Elektroauto oder Hybrid. Warum ? Das große Problem ist, all diese Fahrzeuge sind Automatik. In der Fahrschüler Ausbildungsordnung steht jedoch, wenn man auf Automatik geprüft wird dürfen mit diesem Führerschein nur Fahrzeug mit Automatikgetriebe gefahren werden. Und aus diesem Grund bilden wir mit Schaltfahrzeugen aus.

2016 war mal im Gespräch, dass dies geändert werden soll. Aber bis heute hat sich da nichts bewegt. Zudem war und ist im Gespräch, Ausbildung und Prüfung mit Automatik  zu machen und in der Ausbildung 6-10 Stunden mit einem „Schaltwagen“ zu fahren. Und schon dürfte man – obwohl die Prüfung auf Automatik gemacht wurde – auch Schaltwagen fahren (die Regel gab es schon mal in den 80er Jahren). Aber die EU ist scheinbar dagegen (laut Aussage des Fahrlehrerverbands Rheinland Pfalz). Bei einer Regeländerung würde ich alle Dieselfahrzeuge gegen Elektrofahrzeuge tauschen. Und schon könnte man die zukünftigen Autofahrer – zukünftige Kunden für die Autobranche – auch für die Elektromobilität sensibilisieren.

Und ruck zuck würden mehr Elektrofahrzeuge gekauft, weil man festgestellt hat, dass die Fahranfänger sich meistens für das Modell entscheiden auf dem sie gelernt haben. Dann wäre die Zahl von eine Million Elektrofahrzeuge bis 2020 evtl. zu schaffen. :) Denn es sind ja nicht nur die Schüler. Es kam schon vor, dass sich die Eltern bei mir gemeldet haben – nachdem der Sprössling zuhause von seiner elektrischen Fahrt erzählt hat – und weitere Informationen haben wollten. Das ist genau mein Thema, könnte ich stundenlang drüber reden.

Daniel: Eine Pflicht Fahrschüler in einem Elektroauto in der Praxis zu unterrichten gibt es noch nicht. Denke Sie, dass es eine Änderung innerhalb der kommenden fünf Jahre geben wird und dies zumindest parallel stattfinden muss?

Thomas Kopetzky: Wenn solche Fahrzeuge aktiv eingesetzt werden, dann werden wohl diese Themen mit im Unterricht eingearbeitet.

Daniel: Wie sieht dies im Theorieunterricht aus? Was wird unterrichtet und wie ist das Prüfungsmaterial dahingehend aufgestellt? Ich erinnere mich noch an meine Fahrschulzeit (2006), wo nichts davon zu finden war.

Thomas Kopetzky: Grundsätzlich ist da noch nichts vorgesehen im theoretischen Unterricht.

Daniel: Unterweisen Sie ihre Fahrschüler zusätzlich zu den Unterrichtsmaterialien zur Elektromobilität, Elektroautos und auch Hybride/Plug-in-Hybride?

Thomas Kopetzky: JA! Da ich dafür brenne, erkläre ich immer mal einen Abend die Unterschiede zwischen Elektro, Hybrid, Plug-in-Hybrid sowie Ladestationen usw., eigentlich alles rund um dieses Thema.

Daniel: Ein E-Roller, E-Mofa oder E-Motorrad konnte ich in Ihrem Fuhrpark nicht entdecken. Denken Sie auch hier mittelfristig elektrisch zu ergänzen oder gar vollständig umzusteigen?

Thomas Kopetzky: Ich hoffe es. Aber da ist auch wieder die Problematik mit der Automatik…

Daniel: Sprechen Sie mit Kollegen/Mitbewerber über das Thema E-Mobilität, empfehlen dies weiter und hat sich daran bereits die ein oder andere Fahrschule ein Beispiel genommen?

Thomas: In meinem Umkreis ist kein Mitbewerber der elektrisch fährt. Es ist allerdings auch kein Interesse dafür vorhanden. Wenn ich was höre,  dann wird eher „so ein Quatsch“ gesagt. Viele sind eben nicht offen für Neues, leider ist das so.

Daniel: Zum Schluss würde mich noch interessieren was Sie sich besonders für den Fahrschulbereich beim Thema Elektromobilität wünschen würden. Gerne auch politische Ansätze die u.a. vielleicht spezielle Förderungen vorsehen?

Thomas: Ich wünsche mir: Abschaffung/Änderung der Automatikausbildung. Spezielle Förderungen kann man machen aber ich denke wenn man einen VW Golf Diesel für 28.000 Euro kaufen kann, könnte man ebenso – wenn man will – auch ein Elektrofahrzeug kaufen. Man muss nur wollen. Und viele wollen ja nicht nur im Fahrschulbereich kein Elektroauto. Aus welchen Gründen auch immer…

So Daniel, ich bedanke mich nochmal. Hat mir super viel Spaß gemacht und ich hoffe, es bringt einen kleinen Stein ins rollen. :)

Wenn ich bei uns in den Schwalm-Eder-Kreis schaue, fällt mir beispielsweise keine einzige Fahrschule ein, die ein Elektrofahrzeug im Fuhrpark hat. Wenn man jedoch genau hinschaut, dann findet man sie. Auch wenn eher sehr selten. Neben der Fahrschüle Rünz hat u.a. „Daniels Fahrschule“ einen VW e-Golf im Einsatz. Bei Maxis Fahrschule hingegen gibt es einen BMW i3 und sogar das Elektromotorrad BMW C Evolution.

Ein Artikel auf berlin.de aus dem Jahr 2011 – noch einmal, aus dem Jahr 2011! – beschäftigt sich mit der Frage, ob die Führerscheinprüfung mit einem Elektroauto gemacht werden kann. Es ist also keine Thematik aus den letzten zwei oder drei Jahren.

Dort wird genau das geschildert was Thomas Kopetzky schon äußerte. Denn wer seine Fahrschulprüfung in einem Elektroauto macht, darf eben mit der erworbenen Fahrerlaubnis nur Automatikfahrzeuge fahren.

Fahrschulen erhalten Elektroautos

Der Landkreis Osnabrück stellte so den Fahrschulen ein Elektroauto bereit. Monatlich wechselt das Fahrzeug an den TÜV Nord-Niederlassungen in Osnabrück, Melle und Bersenbrück. Dieses Angebot ist für die Fahrschulen kostenlos und können dies via Smartphone das Fahrzeug buchen.

Wenige Monate danach hat sich Daimler gemeinsam mit der Academy Holding AG zu einem Pilotprojekt entschieden. Fünf Fahrschulen im Großraum Stuttgart sind ausgewählt worden. Dabei erhält jede Fahrschule für einen Monat je einen smart fortwo electric drive und eine Mercedes-Benz B-Klasse Electric Drive.

Wir würden uns sicherlich mehr Elektrofahrzeuge in den Fahrschulen wünschen. Gerade jetzt könnten die jungen Menschen früh an die Technik herangeführt werden. Zudem gibt es vermehrt gesetzliche Regelungen, die auch im theoretischen Unterricht nicht fehlen dürfen. Ich bin da mal gespannt, wie viele Fahrschulen nachziehen. Vergessen wir dabei aber nicht, wie knapp manche tatsächlich wiederum kalkulieren müssen.

30. Januar 2017  |  DanielB

2 Kommentare

  1. Ich fahre seit 17 Jahre einen A4-Combi und bin sehr zufrieden mit dem Fahrzeug. Aber mein
    nächstes Auto muß ein E-Fahrzeug sein, zumal ich mit Photovoltaikstrom laden könnte. Leider
    ist die Entwicklung im E-Mobil Bereich noch sehr zögerlich. Deshalb bin ich Ihnen sehr dankbar
    das sie diese Infos ins Netz stellen. Bei uns auf dem Land ist eine ordendliche Reichweite sehr
    wichtig. Doch wenn ich ihren Bericht lese bin ich sehr zuversichtlich noch in diesem Jahr einen
    E-Neuwagen zu kaufen. Ihnen eine gute Zeit mit freundlichem Gruß von Ulf Kiessner.

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