Warum der Bordcomputer- und WLTP-Verbrauch nicht direkt vergleichbar sind
Bordcomputer- vs. WLTP-Verbrauch? Ein beliebter Vergleich – aber kein sauberer. Denn wer beide Werte direkt gegenüberstellt, lässt mindestens einen entscheidenden Unterschied außer Acht: die Ladeverluste.
Mir fällt in einigen Fahrzeugtests/Fahrzeugvorstellungen jeglichen Formats immer wieder auf, dass der Verbrauch aus dem Bordcomputer direkt mit der offiziellen WLTP-Angabe verglichen wird. Dann heißt es etwa, ein Elektroauto habe seinen Normverbrauch unterboten, genau getroffen oder deutlich überschritten.
So einfach ist der Vergleich aber nicht.
Die WLTP-Verbrauchsangabe berücksichtigt die nach dem Prüfverfahren aus dem Stromnetz nachgeladene Energie und damit auch die beim Laden entstehenden Verluste. Der Bordcomputer bildet dagegen einen fahrzeugseitig ermittelten Verbrauch ab. Welche Verbraucher dabei berücksichtigt werden und wie der Wert berechnet wird, kann sich je nach Hersteller unterscheiden bzw. wird unterschiedlich ausgegeben.
Ein Beispiel aus eigener Messung: Nach einer Fahrt zeigt der Bordcomputer einen Verbrauch von 19,7 kWh/100 km an. Um anschließend den Ladezustand von vor Fahrtantritt wiederherzustellen, werden an der maßgeblichen Messstelle rund 22,1 kWh/100 km erfasst. In der Differenz spiegeln sich insbesondere die beim Nachladen entstehenden Verluste wider.
WLTP bleibt ein Laborwert
Doch selbst wenn man die Ladeverluste einbezieht: Direkt gleichsetzen lassen sich die Werte trotzdem nicht. Eine reale Fahrt findet schließlich unter anderen Bedingungen statt als der standardisierte WLTP-Test auf dem Rollenprüfstand – unter definierten Laborbedingungen um 23 °C und mit weitgehend deaktivierten Nebenverbrauchern.
Ob das Fahrzeug seinen WLTP-Verbrauch unterboten, genau getroffen oder überschritten hat, lässt sich aus den angezeigten 19,7 kWh/100 km allein daher schlicht nicht ableiten.
Das macht den Bordcomputerwert aber nicht gleich wertlos. Innerhalb der Messgenauigkeit und Zählweise des jeweiligen Herstellers hilft er vor allem für eine grobe Einschätzung der möglichen Reichweiten.
Was der Bordcomputer trotzdem aussagt
Wer aber wissen möchte, wie viel Energie für die gefahrenen Kilometer tatsächlich aus dem Netz bezogen wurde, muss die am Ladepunkt oder Stromzähler erfasste Energiemenge betrachten.
Übrigens: Als „Guess-O-Meter“ wird eigentlich nicht der Bordcomputer insgesamt bezeichnet, sondern die prognostizierte Restreichweite. Sie verändert sich je nach Fahrweise und Bedingungen laufend.
Der Verbrauchswert ist dagegen keine Reichweitenprognose, sondern eine rückblickend ermittelte Größe. Auch deshalb sollte man die beiden Anzeigen nicht in einen Topf werfen.
Hinweis: Der Artikel wurde von mir zuerst auf LinkedIn veröffentlicht.


