Skandinavien zeigt, wie schnell das Elektroauto den Markt erobern kann
In den nordischen Ländern waren im April rund zwei von drei neu zugelassenen Pkw rein elektrisch. Besonders Norwegen und Dänemark treiben den Elektroauto-Anteil nach oben.
Der Tipping Point ist in Norwegen längst überschritten: E-Autos machen dort konstant mehr als 95 Prozent aller Neuzulassungen aus, im April waren es sogar 98,6 Prozent. Die Gründe für den Erfolg sind bekannt.
Weniger gesprochen wird über Dänemark, dabei hat das Nachbarland in den vergangenen Jahren eine enorme Dynamik hingelegt. Lag der E-Auto-Anteil im April 2022 noch bei 13,2 Prozent, waren es 2024 bereits 42,9 Prozent, 2025 dann 63,3 Prozent und im April 2026 schließlich 81,9 Prozent. Bei Privatkunden waren es sogar 96,3 Prozent.
Doch wie kommt das? Ein wichtiger Grund ist das dänische Steuersystem. Verbrenner werden über die Registrierungssteuer und zusätzlich über den CO₂-Ausstoß ordentlich belastet. Elektroautos profitieren dagegen weiterhin von starken steuerlichen Vorteilen.
Besonders deutlich wird das beim Vergleich zweier Volkswagen-Modelle. Der VW ID.3 Neo mit 79-kWh-Akku und 0 g/km CO₂ wird im dänischen Konfigurator mit 314.995 DKK ausgewiesen, umgerechnet rund 42.210 Euro. Für den VW Golf 1.5 TSI als Einstiegsmodell mit 123 g/km CO₂ sind es dagegen 384.997 DKK bzw. rund 51.590 Euro. Der elektrische Kompaktwagen mit dem größten Akku ist damit rund 70.000 DKK oder etwa 9.400 Euro günstiger als der schwächste Golf. Das liegt vor allem an der dänischen Registrierungssteuer, die beim Golf bereits im Konfiguratorpreis enthalten ist. Sie beläuft sich rechnerisch auf rund 160.000 DKK bzw. 21.440 Euro, darunter ein CO₂-Aufschlag von rund 40.850 DKK.
Für viele E-Autos fällt in Dänemark 2026 faktisch keine Registrierungssteuer an. Zwar wird die Steuer auch bei Nullemissionsfahrzeugen zunächst berechnet, allerdings werden nur 40 Prozent angesetzt und anschließend ein zusätzlicher Freibetrag von 161.300 DKK abgezogen. Bei teureren Elektroautos (ab etwa 420.000 DKK) wird jedoch weiterhin eine Registrierungssteuer fällig.
Ab 2027 soll in Dänemark schrittweise eine höhere Besteuerung von E-Autos greifen. Ein abrupter Einbruch bei den Neuzulassungen ist aber nicht zwangsläufig zu erwarten: Das Modellangebot ist breiter, die Ladeinfrastruktur wächst massiv und die Akzeptanz für den Elektroantrieb ist hoch.
Wie sieht es in Schweden und Finnland aus? Im April kamen Schweden und Finnland zwar ebenfalls auf relevante BEV-Anteile, aber noch nicht auf diese Dominanz im Neuwagenmarkt. In Schweden hatte das Auslaufen von Kaufanreizen (es gibt sie wieder) den Elektroautomarkt zwischenzeitlich spürbar gebremst und in Finnland fehlen vergleichbare Kaufimpulse. Genau deshalb ist der nordische Vergleich so spannend: Norwegen und Dänemark zeigen, wie stark ein konsequentes Steuer- und Abgabensystem den Markt wesentlich schneller in Richtung Elektroauto verschieben kann. Denn elektrisch werden sie – früher oder später.
Hinweis: Der Artikel wurde von mir zuerst auf LinkedIn veröffentlicht.



