Abrechnung von Ladevorgängen – wenn es so einfach wäre

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Die Situation zur Abrechnung von Ladevorgängen an den Ladestationen hat sich verbessert. Kooperationen von Roaming-Partnern ermöglichen sogar oftmals an einer Ladestation verschiedene Anbieter zur Abrechnung. Wenn es doch nur einheitlich wäre. 

Auf die vielen Insellösungen – vor allem der etlichen Stadtwerke – möchte ich nicht eingehen. Viel eher einmal aufzeigen wie unterschiedlich die Kosten an einer einzigen Schnellladestation am Beispiel Lohfelden bei Kassel sein können.

Während unseres Barcamps sind wir mit unterschiedlichen Elektroautos an den Autohof Lohfeldener Rüssel gefahren. Dort stehen zwei Säulen mit je drei Anschlüssen (eine mit 2x CCS, 1x Typ 2 und eine mit 1x CCS, 1x CHAdeMO und 1x Typ 2)mit reservierten Parkplätzen bereit.

An den Säulen klebt ein Schild, bei dem zwei Euro für den Start eines Ladevorgangs (die erhebt die EAM, nicht TNM oder PlugSurfing) fällig werden und zusätzlich pro Kilowattstunde 0,25 Euro. Wohlgemerkt geht es hier um TheNewMotion als Roaming-Anbieter. Zusätzlich wird PlugSurfing unterstützt, die auf ihrer Webseite ebenfalls 0,35 Euro über TNM angeben. Aber wie sieht es hier mit der Startgebühr von zwei Euro aus? Genau, die wird dort gar nicht berechnet, dafür werden 0,35 Euro pro Kilowattstunde fällig. Muss man aber erst einmal wissen.

Zwei Anbieter, unterschiedliche Kosten und ab wann zahle ich mehr

In den nachfolgenden Tabellen zeige ich das gerne exemplarisch auf, wie sich das verhält. TheNewMotion (TNM) verlangt, wie es an der Säule steht, die zwei Euro Startgebühr. Zusätzlich fällt eine Transaktionsgebühr von 0,35 Euro und ein Kilowattstundenpreis von 0,25 Euro an. Bei PlugSurfing sind es 0,50 Euro für jeden Startvorgang und 0,35 Euro pro Kilowattstunde. Eine Startgebühr wird hier nicht verlangt, obwohl diese von der EAM auch über PlugSurfing berechnet werden müssten.

TNM – Preise in € (brutto) Berechnung bei 10 kWh bei 20 kWh bei 30 kWh
0,25 pro kWh (gesamt: 6,82 kWh) 2,50 5,00 7,50
0,35 Transaktionsgebühr 0,35 0,35 0,35
2,00 Startgebühr 2,00 2,00 2,00
4,05 insgesamt 4,85 7,35 9,85
PS – Preise in € (brutto) Berechnung bei 10 kWh bei 20 kWh bei 30 kWh
0,35 pro kWh (gesamt: 4,046 kWh) 3,50 7,00 10,50
0,50 Startvorgang 0,50 0,50 0,50
0,00 Startgebühr 0,00 0,00 0,00
1,92 insgesamt 4,00 7,50 11,00

Hinweis: In der ersten Spalte findet ihr den Preis pro Kilowattstunde und dahinter in Klammern „gesamt: x,xxx kWh“. Dies war ein real geführter Ladevorgang. Erste Spalte also die Berechnung bei 6,82 kWh über TNM und 4,046 kWh bei PS.

Wer jetzt genau hinschaut bemerkt worauf ich hinaus will. In der ersten Spalte sieht man die Menge die ich geladen habe und wie sich die Preise zusammensetzen. Es fällt auf, dass ich über TheNewMotion im Verhältnis zu PlugSurfing mehr gezahlt habe. Führe ich diese Berechnung weiter für 10 Kilowattstunden, so wäre ich bei gleicher abgegebener Menge immer noch mit PlugSurfing günstiger, bei 20 Kilowattstunden zahle ich allerdings schon drauf und bei 30 Kilowattstunden wird der Abstand schon deutlicher. Große Mengen sind also am Ende bei TMN günstiger.

Entscheidend hierbei ist welche Menge ich laden möchte/muss und bis zu wieviel Kilowattstunden ich mit welchem Anbieter günstiger fahren könnte. Muss man allerdings erst einmal wissen! War nicht jedem bewusst und erst über die beiden Abrechnungen ist mir dies aufgefallen.

Preispolitik und der Mathematiker

Bei meinem Roadtrip von Nordhessen an den Nürburgring habe ich nicht einen Cent bezahlt. Möchte ich nur in Nordhessen unterwegs sein, würde mir TheNewMotion genügen. Aber wenn ich mir diese Abrechnungen im Detail anschaue, bin ich froh auch PlugSurfing zu besitzen.

Eigentlich hassen wir doch Preisvergleiche und können die Werbung von den zwei unterschiedlichen Familien für einen Anbieter nicht mehr sehen. Tja, schaue ich mir diese Tabelle genauer an, wird deutlich, dass ich doch nicht verzichten mag und mir bei den einzelnen Ladesäulen genau Gedanken mache welchen Anbieter ich wähle.

Nur so am Rande sei erwähnt, dass ich es extrem wichtig finde, gerade da wo wir scheinbar in Centbeträgen pro Kilometer die Kosten von einem Elektroauto und Verbrenner vergleichen.

Über DanielB 1350 Artikel
Fasziniert von der Elektromobilität und alternativen Antriebstechnologien, gelernter Elektroniker, Journalist und Blogger, liebt die Technologie im Fahrzeug (Vernetzung, Infotainment). Mehr über mich danielboe.de

3 Kommentare

  1. Hallo Daniel,

    ich habe mit großem Interesse Deinen kritischen Beitrag zur Abrechnung gelesen. Vielen Dank dafür!

    Ich arbeite für NewMotion und möchte gerne unsere Postion bzw. unser Angebot näher erläutern.

    Wir verfolgen konsequent den Ansatz, dass wir keine Roaming-Gebühren nehmen und keine Aufschläge auf das Nutzungsentgelt des Betreibers der Ladesäulen. Wir stellen dem Kunden also 1:1 den Preis des Betreibers in Rechnung. Unsere Einnahmen sind nur die 35 Ct. Transaktionsgebühr pro kostenpflichtiger öffentlicher Ladevorgang. Die Transaktionsgebühr ist gedeckelt für 20 Ladevorgänge pro Monat (also max. 7€), d.h. mit dem 21. Ladevorgang fällt keine Transaktionsgebühr mehr an. Insbesondere wenn man viel lädt, freut man sich darüber.
    Weitere Informationen findest Du auch hier: https://newmotion.com/de_DE/produkte/newmotion-ladekarte

    Was heißt das im konkreten Fall der EAM?
    Die EAM hat eine Startgebühr von 2€ und einen verbrauchsbasierten Preise festgelegt. Wir verrechnen diesen Preis 1:1 mit den Nutzern. Wir haben hier nicht aufgeschlagen.

    Der Preis ist relativ hoch, aber es ist nicht der Preis von NewMotion. Ich möchte an dieser Stelle keine Diskussion anfangen, ob dieser Tarif gerechtfertigt ist.

    Zurück zu unserem Ansatz: Als NewMotion wollen wir die Anreize, die der Eigentümer geben möchte, direkt an die Nutzer weitergeben. So gibt es viele Eigentümer, die attraktive Tarife festlegen, um die Auslastung der eigenen Ladestationen zu erhöhen und/ oder Gäste anzulocken – auch hier reichen wir den Preis 1:1 an die Nutzer weiter, ohne Aufschlag. Es gibt auch Betreiber, die es kostenlos machen – hier verzichten wir sogar auf eine Transaktionsgebühr, sodass die Nutzer wirklich kostenlos laden können.

    Andere Anbieter im Markt verfolgen einen anderen Ansatz – z.B. mit Standard-Tarifen für Ladeleistungen mit AC/DC und wieder andere rechnen eine Marge in den Tarif ein ohne es für den Kunden sichtbar zu machen (Du nennst hier ein Beispiel).
    Diese Ansätze sind ebenfalls möglich und am Ende wird der Kunde entscheiden, was der Anbieter seiner Wahl ist.

    Für uns als NewMotion steht in jedem Fall der Elektroautofahrer im Mittelpunkt. Wir bieten europaweit den größtmöglichen Zugang mit unsere App und Ladekarte. Dabei verbessern wir kontinuierlich unseren Kundenservice und entwickeln die NewMotion App weiter. Zudem versuchen wir attraktive und vor allem verbrauchsbasierte Tarife für unsere Kunden anzubieten.

    Elektromobile Grüße,
    Matthias Pfeiffer

    • Vielen Dank dafür und habe den Beitrag zum Thema Startgebühr an den entsprechenden Stellen etwas ergänzt. Keine Sorge, eine Grundsatzdiskussion gibt es zu den Preisen nicht. Ich finde sie fair und gut. Vor wenigen Monaten zahlte man immerhin noch auf Zeit und dies wurde auf den Verbrauch geändert. Schon so haben sich die Preise deutlich vergünstigt.

  2. Hallo Daniel!

    Danke für diese interessante Betrachtung.
    Da ich gerade nach einer Ladekarte für meine i3 rex (94kWh, Schnellladeoption) suche, habe ich mal die Infos der verschiedenen Anbieter zu Ladesäulen in meiner Nähe angeschaut:

    Folgendes habe ich zu ein und derselben Säule gefunden:
    NewMotion: 0,53 €/kWh
    Plugsurfing: 0,021 €/Minute + 0,31 €/kWh
    Novofleet: 0,57 €/kWh
    ChargeNow (Flex): 0,07 €/min
    ….

    Transparent geht anderes !

    Transparenz sieht da

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