Kia Soul EV im ersten Kurztest – Elektrisch solide

Als der südkoreanische Automobilhersteller Kia davon sprach seinen Soul auch als rein elektrische Variante herauszubringen, zeigte man sich mit gewisser Spannung auf das Elektroauto. Mittlerweile gibt es den Kia Soul EV auch auf dem europäischen Markt und diejenigen die ihn fahren, erfreuen sich regelrecht über das Fahrzeug und sind positiv überrascht.

Er mag auf den Bildern sicherlich fast schon ein wenig „putzig“ aussehen, ist er in der Realität gar nicht so klein und bietet Platz für vier erwachsene Personen mit der Option auf der hinteren Rücksitzbank in der Mitte noch ein Kind unterbringen zu können. Die ersten Bilder vom Kia Soul EV zeigen den Elektroflitzer in seiner vollen Pracht und ermöglicht wurde mir der dreitätigen Kurztest dank dem Autohaus Auto Schubert in Marburg. Über die Optik lässt sich sicherlich streiten, unterscheidet sich aber kaum von seiner Verbrennerversion.

Der Kia Soul EV startet bei einem Preis von 30.790 Euro inkl. MwSt. (laut Hersteller) und bietet dafür mehr als ein umfangreiches Ausstattungspaket, doch dazu später mehr. Wer jetzt aber noch zusätzlich Sitzbezüge in Teilleder, Sitzventilation vorn, Sitzheizung hinten, Parksensoren vorn und hinten, 12 V-Steckdose in der Zentralkonsole und eine weitere im Gepäckraum sowie Ambientebeleuchtung in den vorderen Türen möchte, der zahlt lediglich 990 Euro Aufpreis. Später aber mehr zur Ausstattung des Fahrzeugs.

Zunächst werfen wir einen Blick auf ein paar technische Daten und da bringt der Kia Soul EV einen Elektromotor mit 81,4 kW (110 PS) und erhält seine elektrische Energie aus einer Lithium-Ionen-Batterie mit 27 kWh. Von 0 auf 100 km/h schafft er innerhalb von 11,2 Sekunden und bietet eine Höchstgeschwindigkeit von 145 km/h. Die Reichweite beläuft sich auf bis zu 212 km, in der Praxis liegt diese natürlich drunter. Aufgeladen werden kann dieser über Typ 2 (Ladekabel von Typ 1 auf Typ 2 benötigt) innerhalb 5 Stunden bei 6,6 kW und über CHAdeMO bei 50 kW in einer halben Stunde auf 80 Prozent.

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Jetzt kommen wir zu einem deutlichen Vorteil gegenüber vielen anderen Elektroautos in dieser Preisklasse und das ist eindeutig das elektrische Wärmepumpensystem. Damit lässt sich die Abwärme des Kühlwassers ins Heizsystem weiterleiten. Es wird weniger Energie aus dem Akku benötigt und sorgt für mehr Reichweite.

Interieur überzeugt durch hochwertige Verarbeitung

Sicher, ob ich nun in einen Nissan LEAF, Renault ZOE oder BMW i3 einsteige, überall finde ich auch im Interieur ein hochwertiges Fahrzeug wieder. Dass man hier und da etwas an der Verarbeitung und den eingesetzten Werkstoffen zu bemängeln hat gehört einfach dazu, weil man eben auf das Gewicht achten muss. Jetzt steigst du in den Kia Soul EV ein und bekommst einen eleganten und hochwertig verarbeiteten Innenraum zu Gesicht. Davon kann man nur positiv überrascht sein und zusätzlich achtete man beim Einsatz auf biobasierte Kunststoffe und lösemittelfreie Lacke.

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Mit 1,90 m bin ich nicht gerade klein und als Fahrer fühle ich mich oft seitlich sehr beengt. Von der Problematik bei langen Beinen, Armen und kurzen Oberkörper wollen wir erst gar nicht sprechen. Der Sitz muss häufig weit zurückgesetzt und das Lenkrad muss entsprechend eingestellt werden. In meinem Seat Ibiza ST kann da keiner mehr hinter mir sitzen.

Ganz anders im Soul EV, denn in diesem Elektroauto sitze ich bequem, fühle mich seitlich nicht beengt und hinter mir kann eine ausgewachsene Person sitzen. Der Komfort ist damit aber noch längst nicht am Ende, denn es gibt eine Fahrerzonen-Klimatisierung und die ermöglicht mir bei Bedarf das Heizungs- und Lüftungssystem von Beifahrerseite und Fond zu deaktivieren.

Egal wo die Hände etwas anfassen, alles wirkt hochwertig verarbeitet und die Qualität scheint vorhanden zu sein. Ein großer Pluspunkt im Vergleich zu vielen anderen Elektroautos. Über Design lässt sich sicher streiten was Exterieur und Interieur angeht. Doch das Exterieur mag ich und hebt sich von der Masse der Fahrzeuge ab. Beim Interieur wirkt das Konzept durchdacht und auch hier bin ich ein Freund der vielen Rundungen. Ein besonderer Blick gilt hier den Lüftungsdüsen und Hochtönern, die gemeinsam eine Einheit bilden.

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Fehlen dürfen bei der Technologie auch nicht das Infotainmentsystem mit Navigation, einem 8-Zoll-Touchscreen und die Rückfahrkamera. Wenn ich etwas an einem Auto nicht mag, dann wenn das Touchscreen einfach nur mittelmäßig reagiert. Ganz anders im Soul EV, denn da zeigte sich das gesamte Infotainmentsystem als zuverlässig, wenn auch die Menüstruktur stark verwurzelt ist und es etwas Eingewöhnungszeit bedarf. Wo wir gerade beim Infotainment sind, bietet dieses Elektroauto gleich noch digitales Radio an und das Soundsystem bietet einen durchaus ausreichenden Klang. Es macht fast schon Freude das Radio einzuschalten, dabei mag ich es eher still in einem Elektroflitzer.

Über 160 km elektrische Reichweite praktisch möglich

Wer die Strecke zwischen Alsfeld und Marburg oder den Umweg über Neustadt kennt, der weiß welche Anforderungen an Elektroautos gestellt werden. Eine Teilstrecke die ein Erklimmen kleinerer Hügel/Bergeerfordert, eine Teilstrecke mit sehr kurvenreichen Straßen und ein Teilstück auf dem konstant 100 km/h gefahren werden.

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Der Kia Soul EV wird mit einer Reichweite von über 200 km angegeben und in der Praxis war es mir möglich, zumindest in den drei Tagen, damit etwas über 160 km zu fahren. Vergleichbar mit einem ZOE oder LEAF ist es nicht zwingend, da hier eine etwas größere Batterie zum Einsatz kommt. Bei der Berechnung der Restreichweite bezieht der Soul EV die letzten 20 Fahrten, die aktuellen Verbraucher und die Straßenbedingungen mit ein.

Mit der Reichweite in der Praxis bin ich zufrieden, allerdings steht ein ausführlicher Test noch an, denn nur so kann ich schauen ob die Reichweite gleich möglich ist und wie sich das Elektroauto auf der Autobahn verhält. Nicht zuletzt sorgt aber auch das integrierte Wärmepumpensystem für mehr Reichweite.

Wo würde ich aktuell Kritikpunkte sehen?

In dem Kurztest war es mir natürlich nicht möglich die Ladetechnik zu testen oder ausführliche Testergebnisse zu Reichweite, Effizienz oder Infotainment zu erhalten. Allerdings fielen mir ein paar Kleinigkeiten auf, die in anderen Elektroautos besser gelöst wurden. Als Beispiel haben wir an der Gangschaltung die Stellung „D“ für normales Fahren und „B“ für eine höhere Rekuperation etc. die mir von der Umsetzung weniger zusagt.

Ich schalte viel zwischen D und B während der Autofahrt um, gerade wenn es auf eine Ampel zugeht und ich die Bremse nicht betätigen möchte. Das erste Mal ist mir diese Fahrweise bei einem englischen Taxifahrer aufgefallen und so kann ich im LEAF oder auch e-Golf durch einfaches Wippen die Stellungen verändern. Beim Kia Soul EV muss ich diesen regelrecht umlegen und wirkt nicht unbedingt „smart“.

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Als weiteren Punkt fehlt mir eine App über die ich die Klimaanlage und Ladevorgänge von unterwegs prüfen und steuern kann. Hier könnte Kia noch etwas nacharbeiten. Auch wirkt das Infotainmentsystem etwas komplex und die Eingewöhnung benötigt etwas mehr Zeit als erwartet.

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Es gibt noch einen letzten Punkt der aber individuell jeder für sich entscheiden muss. Die Sportlichkeit ist mir hier etwas verloren gegangen. So wirkt ein LEAF etwas „sportlicher“ obwohl der Soul EV gut in den Kurven liegt und stabil auf der Straße liegt. Nicht zuletzt dank des niedrigen Schwerpunkts.

Fazit des Kurztests

Für einen Preis von 30.790 Euro inkl. MwSt. (laut Hersteller) erhält man ein sehr gutes Elektroauto mit einem umfangreichen Ausstattungspaket. Wer lediglich ein wenig Extras haben möchte zahlt lediglich einen Aufpreis von 990 Euro und damit ist eine Vollausstattung verfügbar. Die Batterie ist bei dem Preis bereits inklusive und vom Hersteller gibt es 7 Jahre Garantie noch dazu.

Wie bereits erwähnt muss ich den Kia Soul EV noch einmal etwas länger fahren, um so detailliertere Aussagen treffen zu können und beim Testbericht die ein oder andere Ergänzung hinzufügen zu können. Alle Preise, Ausstattungsdetails, Farben, Assistenzsysteme und sonstige Features findet ihr in dieser PDF-Datei zum Download.

Für den Kurztest erhielt ich den Kia Soul EV vom Autohaus Auto Schubert in Marburg. Vielen Dank an dieser Stelle für die freundliche Unterstützung.

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Fasziniert von der Elektromobilität und alternativen Antriebstechnologien, gelernter Elektroniker, Journalist und Blogger, liebt die Technologie im Fahrzeug (Vernetzung, Infotainment). Mehr über mich danielboe.de

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